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Das wikingerzeitliche Langhaus „Elisenhof“

Langhaus

Das wikingerzeitliche Langhaus nutzen wir für eine KiTa-Gruppe, Schulklassen, Kinder und Jugendliche, die den Bauspielplatz in ihrer Freizeit besuchen und wurde in Zusammenarbeit mit AGIL nach dem historischen Grabungsbefund „Elisenhof“ bei Tönning errichtet. Das Vorbild entstammt dem 8./ 9. Jahrhundert.

Der Bauspielplatz ist bundesweit die erste Einrichtung für offene Kinder- und Jugendarbeit in einem sozialen Brennpunkt, in der Bildungsangebote aus den Bereichen Umwelt- und Erlebnispädagogik mit der angewandten Archäologie verbunden sind. Vor diesem Hintergrund haben wir von April 2003 bis März 2004 an unserem wikingerzeitlichen Langhaus gebaut.

Der Befund für unser wikingerzeitliches Langhaus geht auf eine Ausgrabung zurück der frühgeschichtlichen Marschensiedlung beim Elisenhof in Eiderstedt 1957/58 und 1961/64. Auch wenn die Bewohner des Hauses wahrscheinlich keine Wikinger sondern eher Friesen waren, bietet das Haus ein beeindruckendes Bild vom Leben auf dem Land im 8. bzw. 9. Jahrhundert in Schleswig Holstein. Im Gegensatz zu dem für das slawische Blockhaus zu Grunde liegenden Befund, der kaum mehr als eine Erdverfärbung war, stützen wir uns bei dieser Rekonstruktion auf hervorragend im feuchten Boden erhaltene Eichen- und Flechtwandreste. Die dominierende und für die bäuerliche Siedlung Elisenhof typische Hausform waren die Langhäuser, die Menschen und Tiere unter einem Dach beherbergten (Wohn/Stallhaus). Die Lage der Langhäuser war stets so ausgerichtet, dass die Wohnteile am höchsten lagen, die Giebelwände der Stallteile am tiefsten; dadurch waren einmal die menschlichen Behausungen am besten gegen Sturmflutüberschwemmungen geschützt, zum Anderen konnte der Abfluss der Jauche durch die der Wohnung entgegengesetzt liegende Stirnwand des Stalles hindurch ins Freie erfolgen. Die Länge der einzelnen Häuser war unterschiedlich, das längste unter den völlig freigelegten Gebäuden maß 32m.Dagegen war die Breite relativ konstant und betrug zwischen 5 und 6m. Das von uns rekonstruierte Langhaus misst ungefähr 17x5m. Hiervon waren ursprünglich ca. 10m Wohnbereich und 7m Stall. (vgl. Albert Bantelmann, Elisenhof, Bd.1, Frankfurt/M. 1975)

Die Bauphase als pädagogisches Angebot

Das wikingerzeitliche Langhaus als ein weiteres Projektangebot für Schulklassen und Kinder und Jugendliche, die den Bauspielplatz in ihrer Freizeit besuchen, wurde in Zusammenarbeit mit AGIL nach dem historischen Grabungsbefund „Elisenhof“ bei Tönning errichtet.
Die Konstruktion besteht ausschließlich aus vergänglichen, ökologischen Baustoffen:
Der Boden aus Lehm, das Ständerwerk aus Eichenholz, die Wände aus Weidengeflecht und Lehm, die Dacheindeckung aus Holzschindeln.
Die Bauphase wird durch die Kinder und Jugendlichen des Bauspielplatzes, Kindergartengruppen, Schulklassen, Konfirmandengruppen, Sportvereine, ein internationales Workcamp, etc. in Form von Projekttagen, Projektwochen, Projektreihen, Angebote im Rahmen der offenen Ganztagsschule, Werkstattt agen, Berufs(früh)orientierungstagen unterstützt.
Eine kurze Auflistung:
Geschwister-Prenski-Schule (Gesamtschule), Schule-Roter-Hahn (Grund- Hauptschule), August-Herrmann-Francke-Schule (Hauptschule), Trave-Realschule, Rudolph-Groth-Schule (Förderschule), Matthias-Leithoff-Schule (Schule für Körperbehinderte), Thomas-Mann-Gymnasium, Stadtschule Travemünde (Hauptschule), Schule Kücknitz (Grund- Hauptschule), Gewerbeschule/Berufsschule (AvJ), Konfirmanden der Kirchengemeinde, Pfadfinder der Kirchengemeinde, verschiedene Gruppen des Kindergartens der Kirchengemeinde, Turngruppe des TSV Kücknitz, Internationaler Jugendgemeinschaftsdienst (IJGD), Fortbildung für KindertagesstättenleiterInnen.

Im Rahmen des Projektes wurden vier (Langzeit-) Praktikumsplätze für benachteiligte Jugendliche und verhaltensauffällige SchülerInnen eingerichtet (Kück-Netz). Die Beschulung lag beim Schulträger, die Anleitung bei den Mitarbeitern des Bauspielplatzes, die neben einer pädagogisches Ausbildung auch noch handwerkliche Ausbildungen (Tischler, Schäfermeister) besitzen.
Diese Form der kooperativen Zusammenarbeit ist durch die Mitarbeiter des Bauspielplatzes und AGIL bereits mit positivem Erfolg erprobt worden. Die Partizipation aller am Projekt beteiligten ist für das Konzept selbstverständlich.

Nutzung als Umwelt- und Bildungspädagogischer Lernort

Die spätere Nutzung des Hauses ergab sich zum einen aus den täglichen Abläufen des Bauspielplatzes. Wesentliche Schwerpunkte aber sind die Einbindung des Hauses in die Schulprogramme, die offene Kinder- und Jugendarbeit, Handwerkskurse für Erwachsene, sowie Angebote aus dem Bereich der Umwelt- und Erlebnispädagogik. Des Weiteren wurde eine Gruppe des Kindergartens der Kirchengemeinde Dreifaltigkeit als Geschichts- und Naturerlebengruppe auf den Bauspielplatz verlagert und füllt das Haus mit Leben.

Es erfolgt also die Nutzung des Langhauses als ein Umwelt- und Bildungspädagogischer Lernort der besonderen Art. Weiterhin wird ein Drittel des Hauses  - wie das Original - als Tierstall genutzt. Die Pferde, die den Offenstall bewohnen, werden im therapeutischen Reiten, im Freizeitreiten für Menschen mit und ohne Behinderungen, für Kutschfahrten und für das Holzrücken eingesetzt.

Für das Projekt wurden auch SeniorInnen gewonnen. Hierbei wurden die handwerklichen Kompetenzen – zum Teil alte Handwerkstechniken, die vom „aussterben“ bedroht sind – rüstiger SeniorInnen genutzt und weitergegeben. So hat ein frühberenteter Schmied, der früher auf der Flender-Werft gearbeitet hat, unsere Schmiede in Betrieb genommen und ist regelmäßig auf dem Platz. Weitere SeniorInnen waren beim Bau dabei und standen mit Rat und Tat zur Seite.

Nach dem Bau des Langhauses sollte der Bau einer kleinen, mittelalterlichen Klosteranlage  in die unmittelbar anschließende Epoche der christlichen Missionierung im Norden überführen. Dabei steht nicht die Missionierungsgeschichte im Mittelpunkt, sondern der Aufbruch in und die Kultivierung der Wildnis und Ödnis unter Glaubensregel „ora et labora“. Insbesondere die Zisterzienser, aber auch andere Glaubensgemeinschaften des 12. Jahrhunderts, hatten die Kultivierung der wilden Natur zu einer ihrer Hauptaufgaben gemacht. Es soll somit eine Art kleines Freilichtmuseum entstehen, in dem erlebnis- und handlungsorientierte pädagogische Angebote für Jung und Alt vorgehalten werden.

Das gesamte Projekt wurde mit 49.500,- durch „BINGO-Die Umweltlotterie“ gefördert. Ohne diese Förderung wäre das Projekt nicht durchführbar gewesen und wir möchten uns auch an dieser Stelle bedanken.

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